"CVJM-Engagement im Lebenslauf zu haben ist ein Gütesiegel." Der neue Generalsekretär Dr. Roland Werner im Interview
Dr. Roland Werner beginnt am 1. April 2011 seinen Dienst als
Generalsekretär des CVJM-Gesamtverbandes in Deutschland. Im
Interview verrät er, worin er aktuell die Herausforderungen des
deutschen CVJM sieht und worauf er konkret Einfluss nehmen
möchte.
Kockskämper: Roland, du wirst am 1. April deinen Dienst als
neuer Generalsekretär des CVJM-Gesamtverbandes beginnen. Worauf
freust du dich am meisten?
Werner: Ich freue mich auf die große Gemeinschaft der CVJMer
überall im Land. Als Jugendlicher habe ich eine Jugendgruppe bei
uns in Duisburg-Beeck mitgegründet, die einen großen Aufbruch
erlebte. Wir haben sie dann ein paar Jahre später an den
CVJM-Westbund angegliedert. In all den Jahren meines vollzeitlichen
Dienstes habe ich schon viel mit CVJM zusammengearbeitet, nicht
zuletzt auch bei den Christivals und im Pavillon bei der EXPO 2000
in Hannover. Jetzt tauche ich richtig in den CVJM-Fluss ein und
freue mich auf viele gute Begegnungen und gemeinsames Beten und
Handeln zur Ehre Gottes und zum Wohl der Menschen, besonders von
jungen Leuten.
Kockskämper: In Ergänzung dazu, worin siehst du die größten
Herausforderungen des deutschen CVJM?
Werner: Der CVJM in Deutschland ist eine sehr starke Bewegung,
der Hunderttausenden junger Menschen einen Raum bietet, ihr Leben
und ihren Glauben zu entwickeln. Und das seit 150 Jahren. Der CVJM
ist eine Gemeinschaft, in der Jesus Christus im Mittelpunkt ist und
die gleichzeitig und gerade deshalb einen großen Radius von
sozialem Einsatz gerade für die junge Generation leistet im Inland
und im Ausland.
"CVJM-Engagement" im Lebenslauf zu haben, ist ein Gütesiegel.
Dennoch ist diese großartige Arbeit an vielen Stellen nicht
wirklich bekannt. Hier ist eine Aufgabe, sich aktiv in die
Öffentlichkeit einzubringen. Und das zweite, das ich für sehr
wichtig halte, ist die Gründung neuer CVJM und die mutige
Weiterentwicklung bestehender Arbeit. An vielen Stellen erreichen
wir als Kirche die junge Generation nicht mehr. Als CVJM können wir
hier helfen, mit unserem Know-How und unserem Feuer für die Sache
Jesu und für die jungen Leute in unserer Zeit.
Kockskämper: Wie kam es dazu, dass du diese Herausforderungen
angenommen hast?
Werner: Ich habe die Berufung als einen Ruf Gottes erlebt. Schon
seit längerer Zeit lebt in mir der Gedanke, nach fast 30 Jahren
Christus-Treff-Arbeit noch einmal offen zu sein für etwas
Neues. Dabei ist der CT Marburg in einer starken Wachstumsphase mit
über 300 ehrenamtlichen Mitarbeitenden und einem gut aufgestellten
Hauptamtlichenteam. So werden auch die nächsten Jahre unter der
Leitung meiner Frau Elke gut weitergehen und ich bin frei, mich mit
voller Kraft in die neue Aufgabe im CVJM zu werfen. Viele gute
Freunde haben mich ermutigt, und auch in unseren Leitungskreisen in
Marburg gab es volle Einmütigkeit, dass ich für diese Aufgabe
freigesetzt werden sollte.
Kockskämper: Welche Rolle wirst du denn künftig im
Christus-Treff in Marburg spielen?
Werner: Ich lege zum 1. April die Leitungsverantwortung nieder
und werde auch nicht mehr im Vorstand oder im Leitungskreis
mitarbeiten. Im Rahmen meines ehrenamtlichen Engagements will ich
als Verkündiger und Mentor vor allem leitende Mitarbeiter im
Christus-Treff und bei Friends begleiten und manche gewachsene
Außenkontakte in andere Länder und besonders nach Jerusalem
weiter führen. Wir nennen diese rein geistlichen Aufgaben
Priorat.
Kockskämper: Das hört sich nach einem großen Schritt an! Was
begeistert dich denn am CVJM, dass du dieses Wagnis auf dich
nimmst?
Werner: Mich begeistert der ganzheitliche Ansatz. Das
CVJM-Dreieck drückt es aus, dass Körper, Seele und Geist zusammen
gehören. Dass wir im CVJM jungen Leuten in all diesen Bereichen
Angebote machen können, finde ich großartig. So gehören für mich
Sport und Gottesdienst, sozialer Einsatz und Evangelisation, Hilfe
bei der Berufsfindung und Entwicklung von Leitungspotenzial,
Einsatz für Gerechtigkeit und Chancengleichheit, auch im
politischen Bereich, und natürlich die Fülle von fröhlichen
Angeboten im Wochenablauf und in besonderen Freizeiten, für Kinder,
Jugendliche, junge Erwachsene, Familien, Singles und auch für
Senioren zusammen als Ausdruck unseres Glaubens, unserer Hoffnung
und unserer Liebe – ein weiteres "Dreieck", das seinen Ursprung im
guten Evangelium von Jesus von Nazareth hat.
Dass der CVJM eine enge Partnerschaft mit der Evangelischen
Kirche bei gleichzeitiger ökumenischer Offenheit hat, finde ich
ebenso wichtig und wegweisend wie die enge Zusammengehörigkeit mit
der großartigen Arbeit des CJD, wo Evangelium als Hoffnung gelebt
wird unter dem Motto: "Keiner soll verloren gehen".
Kockskämper: Bereits im Juli 2010 wurdest du zum Generalsekretär
des CVJM-Gesamtverbandes in Deutschland berufen und hast um eine
Übergangszeit bis zum 1. April 2011 gebeten. Wofür hast du diese
Zeit benötigt und genutzt?
Werner: Ich hatte um diese Übergangszeit gebeten, um unseren
Leitungswechsel in Marburg gut mitgestalten zu können. Außerdem
habe ich manche wissenschaftliche Projekte, sowohl sprachliche als
auch theologische, an denen ich seit langem arbeite intensiv
voranbringen können. So bin ich dankbar für diese vergangenen neun
Monate.
Kockskämper: Du kommst nicht allein, sondern bringst deinen
persönlichen Referenten Yasin Adigüzel mit. Kannst du ihn kurz
vorstellen?
Werner: Yasin ist als Sohn eines türkischen Vaters und einer
deutschen Mutter in Deutschland aufgewachsen. Er hat evangelische
Theologie und Islamwissenschaften in Tübingen und Marburg studiert.
Mit ihm verbindet mich die Liebe zum Orient und zu orientalischen
Sprachen. Er wird mich mit einer halben Stelle unterstützen, mir
zuarbeiten und manchmal auch mit mir reisen, damit ich auch die
langen Autofahrten zur Arbeit und Vorbereitung nutzen kann.
Kockskämper: Für acht Jahre bist du nun als Generalsekretär
berufen. Was wünschst du dir konkret für deine Zeit beim deutschen
CVJM?
Werner: Drei Dinge:
- Ein wachsendes Gefühl der gemeinsamen CVJM-Identität insgesamt
im Land: "Wir sind CVJM und das ist gut so!"
- Eine neue Vision und die Entschlossenheit, die junge Generation
in unserem Land mit dem heilschaffenden Evangelium zu erreichen.
Jesus Christus muss die Mitte bleiben. Sein unvergleichliches
Angebot gilt allen Menschen ohne Unterschied.
- Dass in den nächsten Jahren viele neue CVJM gegründet werden.
Ich freue mich, dass am Tag meines Amtsantritts, am 1. April, ein
CVJM in Stadtallendorf bei Marburg aus der Taufe gehoben wird.
Kockskämper: Vielen Dank für das Gespräch, ich wünsche dir einen
gesegneten
Start als Generalsekretär.
(Quelle: www.cvjm.de)